• Hans-Jürgen Heck

Ähem, was ich noch sagen wollte - Warum Füllwörter beim Zuhören stören & wie man sie abstellen kann

Aktualisiert: 30. März

Kann man, ähm, eigentlich lernen weniger, äh, Füllwörter während einer Rede oder Präsentation zu benutzen?


Ganz klar: Ja! Unser Kollege und Senior Advisor bei DIRK METZ Kommunikation, Hans-Jürgen Heck, weiß nur allzu gut, wie das geht. Dank seiner langjährigen Erfahrung, die er beim Radiosender FFH als Reporter und Nachrichtenmann gesammelt hat, weiß er, wie man diese kleinen, aber störenden Füllwörter eliminieren kann und teilt seine Tipps in unserem heutigen Artikel mit uns allen...



Wir alle kennen die Situation: Am Mikrofon steht eine Rednerin oder ein Redner, der oder die einen eigentlich interessanten Vortrag angekündigt hat, dann aber keinen einzigen Satz unfallfrei über die Bühne bringt. Die Sätze werden von Ehems, Ähems und Ähs verunstaltet. Nach fünf Minuten kann man dem Inhalt kaum noch folgen und ertappt sich beim Zählen der Ähs. In der Schule hat man bei Lehrern mit dieser Angewohnheit auch gerne mal Strichlisten geführt…


Vorab sei gesagt, dass es Sprachforscher gibt, die Ähems sogar als eigenständige Wörter ansehen. Andere meinen Ähems und Ähs betonten das folgende Wort, sie seien ein gesprochenes Komma oder sie machten es den Zuhörern leichter Reden zu folgen, weil sie quasi Denkpausen darstellten.


Ich kann dies alles nicht beurteilen. Für mich sind Verzögerungslaute, Diskurspartikel, Pausenfüller, Häsitationsmarker, Füll-Laute, Verlegenheitslaute, Filled Pauses oder wie man sie sonst noch nennt einfach nur eines: nervig. Punkt.


Vielleicht geht es ja auch nur mir so: Ich jedenfalls kann Rednerinnen und Rednern mit zu vielen Ähems schlecht folgen.


Allgemein gilt, Ähems lenken die Aufmerksamkeit von dem, was jemand vermitteln will ab. Die „Ähemer“, wenn wir sie mal als Gruppe klassifizieren, gelten als unsicher. Und Ähems kosten Glaubwürdigkeit.


[...] Ähems kosten Glaubwürdigkeit.

Selbsterkenntnis – auch für Redner der erste Weg zur Besserung


Der erste Weg seinen Redefluss zu verbessern, ist die Selbsterkenntnis. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie ein Ähemer sind. Das herauszufinden ist heute einfacher denn je. Quasi jedes Handy ist auch ein Diktiergerät, mit dem man die eigene Rede ganz einfach aufnehmen kann. Die Alternative: man spricht vor einem Freund oder Kollegen mit der Bitte, auf die Ähems zu achten. Genauso gut funktioniert, die eigene Stimme bei Telefonaten mitzuschneiden und sie anschließend auf Ähms hin abzuhören.


Vorbereitung ist wichtig


Dabei sei auch gesagt: Drei Ähems in fünf Minuten sind natürlich überhaupt kein Problem. Ein Ähem in nahezu jedem Satz schon. Stellen sich einem beim Abhören der eigenen Aufnahme gar die Nackenhaare auf, sollte man dringend an dem Ähem-Problem arbeiten. Erste Methode: ruhiger werden. Viele Redner ähemen umso mehr, je nervöser sie sind. Einen Text zu schreiben und ihn dann erst wieder bei dem Vortrag in die Hand zu nehmen ist da eine ganz schlechte Idee.


Es gibt einen ehemaligen Politiker, von dem wird noch heute erzählt, er habe seine WG-Mitbewohner durch das stundenlange Einstudieren von Reden bis aufs Blut genervt. Mag sein. Aber die Reden, die ich von ihm kenne, waren makellos und klasse. Möglich, dass dies der guten Vorbereitung geschuldet war, die beim Vortragen die nötige Ruhe und Sicherheit gebracht hat. Es gab aber auch einen Regierungschef, der geradezu ein Prototyp des Ähemers war.


Kleiner Exkurs: Der bereits verstorbene Moderator Chris Howland („Mr. Pumpernickel“) berichtet in seinen Memoiren von der harten Schule beim Radio, in der sein Chef ihm auch schon mal bei laufender Sendung ein Streichholz ans Manuskript hielt, um ihm beizubringen, dass ein Sprecher den Inhalt des Skriptes vor der Sendung zu verinnerlichen hat.


Tempo rausnehmen


Wichtig ist auch das richtige Sprechtempo. Verkürzt kann man sagen: je schneller, desto Ähm. Beim Radio haben wir dieses Tempo eingeübt, indem wir einen Text eines richtig guten Sprechers abgetippt und dann gestoppt haben. Anschließend muss man den Text nachsprechen und möglichst exakt auf die gleiche Zeit wie das Original kommen. Eine zugegeben mühsame Angelegenheit, aber mit reichlich Übung durchaus effektiv.


Sprachforscher haben herausgefunden, dass Ähems auch mit der Melodieführung der Stimme zusammenhängen. Beim Schreiben kann ich mit Kommas steuern, wie eine Aussage verstanden werden soll und das Satzende wird mit einem Punkt oder einem Ausrufezeichen markiert. Beim Sprechen muss ich dagegen darauf achten, die Stimme am Satzende nach unten zu bringen. Passiert das nicht und der Satz wird in der gleichen Melodie beendet wie er angefangen wurde, bleibt das Ende in der Luft hängen und man versucht den Anschluss mit einem Ähem zu überbücken. Am tiefen Satzende muss eine Pause kommen, die aber eben nicht mit einem Ähem gefüllt wird. Diese Pausen muss der Redner aushalten und sie deshalb auch intensiv trainieren. Aber: Pausen müssen nicht zwingend nach jedem Satz, sondern können auch erst nach zwei oder drei Sätzen gesetzt werden. Mit Pausen kann man spielen, aber auch das muss man üben.


Die Gummibär-Methode


Es gibt Sprechcoaches, die schwören auf die Gummibär-Methode. Dabeisitzt der Coach dem Redner an einem Tisch gegenüber. Der Redner trägt vor. Schleicht sich jedoch ein Füllwort ein, dann wird er vom Coach mit einem Gummibären beworfen. Praxis-Tipp: Sitzt der Redner nah genug am Tisch, fallen die Bären direkt auf die Platte und sind noch prima verwertbar… 😉


Damit nicht zu viele Gummibären zu Schaden kommen, können alternativ, nach den ersten Wurf-Sitzungen, auch kleine Gummibären auf der oberen rechten Seite eines Redescripts als Gedankenstütze gemalt werden.


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