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  • AutorenbildTobias Karbach

Blick über den Tellerrand: In Indien gilt immer noch Print, Print, Print


Tobias Karbach, Consultant Communications bei DMK, nimmt die Entwicklung und Veränderung der Medienlandschaft genauer unter die Lupe genommen und schildert in seinem Artikel, wie sich die Rolle und Relevanz von Print-Medien in Indien zu vielen anderen Nationen – auch Deutschland – unterscheidet.


Welche Medien haben die Nase bei der Glaubwürdigkeit vorn? Welche legen bei den Nutzerzahlen zu, welche nehmen ab. Stirbt die gute alte Zeitung aus oder liegt die Zukunft im E-Paper? Angesichts der Veränderungen in der Medienlandschaft ist die Rolle und Relevanz von Print-Medien ein überaus spannendes Thema. Auf der einen Seite zeigt sich nach wie vor die klare Tendenz, dass die Bedeutungskraft der traditionellen Medien hierzulande trotz der Veränderungen der letzten Jahrzehnte erhalten bleibt – v.a. beim Blick auf die Glaubwürdigkeit und die Hauptinformationsquellen für tagesaktuelles Geschehen. Hier liegen Tageszeitungen nach wie vor deutlich vor Internet und Social Media, wie aus der diesjährigen Mainzer Langzeitstudie „Medienvertrauen“ (Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) hervorgeht.


Auf der anderen Seite sehen viele das klassische Printgeschäft im freien Fall. Beim Blick auf die stetig sinkenden Auflagenzahlen könnten man dieser Meinung folgen. Und auch das veränderte Nutzungsverhalten, gerade bei den jüngeren Zielgruppen, hat Auswirkungen auf die klassischen Medien. Die Verlagshäuser setzen daher immer mehr auf digitale Ergänzungen und Online-Plattformen, um ihre Reichweite zu erhöhen und den aktuellen Mediengewohnheiten gerecht zu werden.


Laut einer aktuellen Studie von Statista haben etwas mehr als ein Drittel der Befragten aus Deutschland kürzlich eine gedruckte Tageszeitung gelesen. Dagegen liegt der Anteil beim E-Paper zehn Prozentpunkte höher. Im Vergleich zu vielen anderen Nationen sind die Werte der Printmedien in Deutschland aber noch relativ gut (China: 27%, Frankreich und Großbritannien: jeweils 26%, USA: 25%, Brasilien: 18%).


Ein ganz anderes Bild zeigt sich dagegen in Indien, die China Anfang April diesen Jahren als bevölkerungsreichstes Land der Welt abgelöst haben. Hier geben 63% der Befragten an, kürzlich eine Printzeitung gelesen zu haben. Damit ist Indien das einzige der 21 von der Erhebung abgedeckten Nationen, in dem Print vor Online liegt.


Doch warum ist das so?


Print-Medien sind ein zentraler Bestandteil der indischen Medienlandschaft. Die Geschichte der indischen Presse reicht weit zurück. Insbesondere während des Unabhängigkeitskampfes in den 1940er-Jahren hat die Relevanz der Zeitungen enorm zugenommen und die Anzahl und Auflage und von Tages- und Wochenzeitungen sind stark gewachsen – das starke Bevölkerungswachstum tut sein Übriges.


Heute ist die indische Print-Presse eine der Auflagenstärksten weltweit und wird als vielfältige, kritische und qualitativ hochwertige Institution angesehen. Die über 80.000 registrierten Zeitungen erreichen täglich etwa 200 Millionen Leser. Damit liegen die Print-Medien in Indien weit vor digitalen Angeboten. Das liegt zum einen daran, dass die Konkurrenz der Zeitungen, z.B. durch das Internet, derzeit noch sehr moderat ist, zum anderen, da die meisten Zeitungen nur wenige Cent kosten und sich diese somit fast jeder leisten kann.


So gut diese Zahlen auch sind, hat die indische Presselandschaft jedoch weiterhin mit Themen wie eingeschränkter Pressefreiheit und journalistischer Sicherheit zu kämpfen. Indien belegt in Pressefreiheitsrankings weit hinten, beim World Press Freedom Index auf Platz 161, 140 Plätze hinter Deutschland (Platz 21).


Trotz dessen sind Print-Medien in Indien ein mächtiges Instrument, um Informationen zu verbreiten, Bürger zu informieren und die größte Demokratie der Welt zu stärken.

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