• Hans-Jürgen Heck

Gab es eigentlich auch ein Leben vor dem Smartphone?

Aktualisiert: 24. Mai




Vor etwa 15 Jahren hat ein Gerät unser Leben völlig verändert – das Smartphone.


Internet überall, Banking von unterwegs, Nachrichten rund um die Uhr. Mit den ersten Smartphones wurde Kommunikation auf den Kopf gestellt.


Hans-Jürgen Heck, Senior Advisor bei DIRK METZ Kommunikation, zu dem Allzeckteil in der Tasche.

 

Kürzlich lief bei ZDF neo ein Krimi, in dem ein junger Mann zunächst an einer Tankstelle eine Straßenkarte kaufte, dann einen Film für einen Fotoapparat und anschließend eine Telefonzelle in Magenta betrat, um zu telefonieren.


Obwohl der Streifen noch nicht so alt war, wirkte er wie aus einer anderen Zeit. Richtig, er stammte aus der Zeit vor dem Smartphone. Kaum zu glauben, was wir früher mit uns herumgeschleppt haben. Oder anders gesagt: kaum zu glauben, was passiert, wenn das Smartphone verloren geht oder nicht mehr funktioniert. So wie der Buchdruck die Welt des Wissens und die industrielle Revolution die Welt der Produktion verändert hat, so hat das Smartphone die Welt gleich in zig Gebieten gedreht.


Das fängt bei der schon genannten Straßenkarte an. Vorbei die Bilder von Touristen mit Rucksäcken auf Städtetour, die sich mit aufgefalteten Karten durch die Straßen kämpften. Navigiert wird mit dem Handy. Um bei den Touristen zu bleiben: auch um den Hals hängende Kameras sind perdu. Kaum zu glauben: Gute Smartphones haben meist sogar mehrere davon und die machen Fotos in einer Qualität, von der man früher selbst mit einer Spiegelreflexkamera nur träumen konnte.


Damit nicht genug: Was Touristen früher mit mehr oder weniger monströsen Super 8 und später mit Videokameras filmten, erledigt heute das Smartphone. Dabei werden nicht nur Filmchen aufgenommen, sie können auch binnen Sekunden von jedem Platz der Welt an Familie oder Freunde gesendet oder auf YouTube, Twitter und Co. publiziert werden. Eine Möglichkeit, an die vor zwanzig Jahren wohl noch niemand gedacht hätte…


Keine zwanzig Jahre, sondern nur ein Jahr ist es her, seit das Handy eine Funktion übernommen hat, an die nun wirklich niemand denken konnte. Seit gut einem Jahr ist das Handy auch ein Impfausweis, der es bis vor kurzem überhaupt möglich machte, in Corona-Zeiten Veranstaltungen, Restaurants oder Geschäfte zu betreten.


Manchmal vergisst man, was da alles in der Hosentasche schlummert. Ein Gerät, auf dem man sich Nachrichten oder die Zwischenresultate der Fußball-Bundesliga ansehen lassen, das Warnmeldungen über Warn-Apps sendet, Musik speichert und abspielt, Bankgeschäfte erledigen kann, Gesundheits- oder Fitness-Apps aufrufen lässt. Dazu dient ein Handy als Kalender, als Zahlungsmittel in Lokal oder Supermarkt, als Telefonbuch. E-Mails können natürlich auch empfangen und gesendet werden und, ach ja, telefonieren kann man damit auch noch.


80 verschiedene Handy-Funktionen hat eine Tageszeitung jüngst aufgelistet. Zählt man die mittlerweile verfügbaren Apps hinzu, dürften es einige tausend sein.


Interessant dabei die Nutzungsarten. Laut Statista nutzen 100 Prozent der User ihr Smartphone zum Telefonieren. Immerhin noch 98 Prozent setzen es auch als Digitalkamera ein und 93 Prozent der Nutzer surfen damit zudem im Internet. Kalender und Terminplaner werden überraschenderweise mit 83 Prozent mehr genutzt als SMS und Kurznachrichtendienste (71 Prozent).


Immerhin noch 70 Prozent vertreiben sich die Zeit auf dem Handy in sozialen Netzwerken, Musik hören68 Prozent und Spiele werden von 64 Prozent der User benutzt. Mittlerweile 46 Prozent nutzen das Smartphone für Bankgeschäfte und 43 Prozent zum Shoppen. Weit abgeschlagen das Dating mit 22 Prozent.


Wie weit das Smartphone mittlerweile verankert ist, sagen die Verkaufs- und Nutzungszahlen. Allein 2021 wurden in Deutschland 20,4 Millionen Smartphones verkauft. Der Anteil der Haushalte mit Smartphone liegt bei 97,6 Prozent und im kommenden Jahr werden geschätzt 68,6 Millionen dieser Geräte im Umlauf sein.


Angesichts dessen, wie viel Daten und Informationen auf unseren Smartphones liegen, macht eine letzte Zahl nachdenklich. Laut Statista sichern knapp 40 Prozent aller Handy-Nutzer ihre Daten nur einmal im Jahr oder noch seltener bis nie. Ohne sich bewusst zu sein, was da alles auf einen Schlag verschwunden sein kann.


Für uns Ältere ist die Entwicklung der letzten 15 Jahre irgendwie immer noch ein Faszinosum, die unter 25-Jährigen dürfen das dagegen kaum nachvollziehen können. Und vielleicht fragen sie sich, ob die Zeit davor überhaupt lebenswert war. Doch, das war sie. Auch wenn man das Gerät nicht missen möchte…

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